05. Mai 2021

Virtueller Austausch mit dem Kreisseniorenrat Ostalb

Beim Gespräch mit Bundestagsabgeordneten Kiesewetter ging es insbesondere um die Situation von Pflegekräften

Beim virtuellen Austausch mit dem Vorstand des Kreisseniorenrats Ostalb unter dem Vorsitz von Günter Höschle am vergangen Montag ging der direkt gewählte Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter zunächst auf die aktuell sehr positive Entwicklung in Bezug auf die Impfstofflieferungen und die Impfzahlen ein.
 
In einer beispiellosen Geschwindigkeit seien neue Impfstoffe entwickelt und zugelassen worden. Auch die Bundesregierung hat mit 750 Millionen Euro den Aufbau von Produktionskapazitäten und die Entwicklung unterstützt. Mit Stand 20.04. waren 5,6 Millionen Personen (6,8 Prozent der Gesamtbevölkerung) vollständig geimpft. Über 20 Prozent der Bevölkerung hatten bereits eine Erstimpfung, berichtete Kiesewetter. Bis zum 18. April 2021 wurden über 25 Millionen Impfdosen in Deutschland ausgeliefert. Auch die Lieferprognosen im 2. Quartal lassen nochmal deutlich höhere Lieferungen erwarten. Hier seien über 70 Millionen Impfdosen zu erwarten und auch die Hausärzte würden immer weiter eingebunden. Es gehe also deutlich voran, so Kiesewetter.
 
Die Vorstandsmitglieder des Kreisseniorenrats berichteten von erfolgreichen Impfterminen, die mitunter in sehr schwierigen Terminprozessen und mit langen Wartezeiten gefunden wurden. Viele Kommunen des Ostalbkreises hätten zwischenzeitlich aber ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger direkt angeschrieben und zu einem Impftermin eingeladen, lobte Günter Höschle auch den Landrat Dr. Joachim Bläse, der diese Vorgehensweise unterstützt habe. Die Stadt Aalen habe dies bedauerlicherweise anders gehandhabt.
 
In diesem Zusammenhang bedauerte Vorstandsmitglied Johann Hoffer, dass weiterhin in Baden-Württemberg der Impfstoff nicht gemäß Einwohnerzahl verteilt werde, was größere Landkreise wie den Ostalbkreis gegenüber kleineren Landkreisen benachteilige. Es könne zudem auch nicht im Sinne des grünen Sozialministeriums sein, wenn zahlreiche Bürgerinnen und Bürger des Ostalbkreises weite Wege mit dem Auto zu anderen Impfzentren zurücklegen müssten.
 
Aus Essingen berichtete Prof. Dieter Bolten von einem Aufruf der mobilen Impfteams an die Bevölkerungen über 80. Dies habe sehr gut funktioniert. Auch seien die Befürchtungen, dass es während der Kontaktbeschränkungen zunehmend zu Einsamkeit und sozialer Isolation kommen, nicht überall zutreffend. Viele Mitbürgerinnen und Mitbürger hielten regelmäßig über Telefonate und Videokonferenzen Kontakt.
 
Bundestagsabgeordneter Roderich Kiesewetter wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Corona-Impfungen künftig jährlich stattfinden dürften, ähnlich wie bei den Grippeimpfungen. Darauf müsse sich die Bevölkerung einstellen. Das bedeute, dass auch die Impfstoffe immer wieder weiterentwickelt werden müssten.
 
In vielen Bereichen hätte gerade die Corona-Pandemie aufgezeigt, dass die Staatsstrukturen im Gesamten und in vielen Bereichen sehr verkrustet seien: „Deshalb setzte ich mich für ein Modernisierungsjahrzehnt ein, unser Staat und seine Strukturen müssen digitaler, flexibler, schneller und moderner werden“, so Kiesewetter.
 
Große Sorgen bereite ihm der nach wie vor akute und zunehmende Fachkräftemangel in der Pflege, gerade in Ostwürttemberg. Günter Höschle und die 2.Vorsitzende des KSR, Irene Duim, wiesen hierbei darauf hin, dass im Ostalbkreis derzeit eine Pflegekonferenz und -aktionswoche stattfinde. Wichtig sei dem Kreisseniorenrat, das Thema Pflege ganzheitlich zu betrachten, d.h. sowohl unter dem Aspekt der Einsamkeit als auch unter dem Aspekt des Wohnens.
 
Kreisfrauenrätin Margot Wagner merkte an, dass auch die Problematik in der häuslichen Pflege nicht außer Acht gelassen werden dürfe. Viele pflegende Angehörige hätten mit großen Herausforderungen während der Pandemie zu kämpfen. Rücksichtsloses Verhalten Einzelner bei Demonstrationen und Ansammlungen seien angesichts voller Intensivstationen nicht verständlich. Gerade gegenüber den Pflegekräften in den Intensivstationen zeuge dies von wenig Solidarität und Anerkennung.
 
Die Situation in den Intensivstationen sei sehr angespannt. Aktuell scheitere es vielfach am akuten Personalmangel. Dieser bedinge auch, wie viele Intensivbetten als frei gemeldet werden können, so Kiesewetter.
 
Sarah Heide merkte an, dass solang die Bezahlung der Pflegekräfte sich nicht spürbar verbessere, alle Kampagnen und Konferenzen ins Leere liefen. Die Frage sei: Wie können wir qualifizierte Pflegekräfte gewinnen? Diesem Gedanken stimmte Kiesewetter zu. Die Bezahlung sei in Ostwürttemberg jedoch nicht das primäre Problem. Auch die Arbeitszeitmodelle seien zum Teil nicht attraktiv, zumindest im Verglich zu vielen anderen Branchen, wie der Industrie. Hauptproblem sei jedoch, dass die sozialen Berufe in keiner Weise mit den Gehältern mithalten können, die in der Metallindustrie gezahlt werden. „Dies führt dazu, dass ausgebildete Pflegefachkräfte – obwohl das Gehalt in der Gesamtbetrachtung nicht schlecht ist – dennoch weniger verdienten als ungelernte Arbeiter in der Metallindustrie. Dieser Ungleichheit, die speziell auch in Ostwürttemberg vorhanden ist, kann die Politik wegen der grundsätzlichen Tarifautonomie aber nicht begegnen“, so Kiesewetter.  Die zunehmenden Dokumentationspflichten sorgten ferner dafür, dass für die Pflege weniger Zeit bleibe, was vielen Pflegekräften aber besonders wichtig sei. Dokumentation sei hierbei aber sehr ambivalent zu sehen. Vielfach wird die exakte Dokumentation von den Angehörigen eingefordert, zugleich wollen sich Pflegeheime auch rechtlich absichern. Dies sei ein Phänomen, das in vielen Bereichen erkennbar ist. „Jeder will sich rechtlich hundertprozentig absichern, dabei bleibt oft weniger Zeit für Menschlichkeit“, so Kiesewetter.
 
Die Mitglieder des Kreisseniorenrats merkten an, dass es auch nicht allein am Geld und der Bezahlung liege, sondern auch an mangelnder Anerkennung und Wertschätzung. Ziel müsse bleiben, möglichst lange das Wohnen zu Hause zu ermöglichen, deshalb habe sich der Kreisseniorenrat dem Thema „Wohnen im Alter“ angenommen, betonte Vorsitzender Günter Höschle.
 
Roderich Kiesewetter dankte dem Kreisseniorenrat für den wertvollen Austausch. Er will sich weiter einsetzen und sich dem demographischen Wandel und den daraus entstehenden Herausforderungen gerade im Pflegebereich annehmen.

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